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Matthäus Levi
Wo  immer die Evangelien im Neuen  Testament die Apostel auflisten –  Matthäus  Levi  ist dabei.
Matthäus, Markus und Lukas berichten davon, dass er Zöllner in der Hafenstadt Kapernaum ist. Als Zolleintreiber steht er in Diensten der  Besatzungsmacht  –  und  wird  deshalb wohl von den meisten Juden verachtet. Sein Beruf lässt vermuten, dass Matthäus eine gewisse Bildung zu eigen war. Vom Zoll unmittelbar weg ruft Jesus ihn in die Nachfolge. Offen bleibt, warum Jesus ausgerechnet auf ihn zugeht, ihn
ruft.  Es  gibt  keine  Erzählung,  die  Matthäus zuvor etwa als interessierten Predigt-Zuhörer  erwähnt  –  oder  als  einen derer,  die  mit  Jesus  reden,  ihn  fragen oder prüfen wollen. Jesus sieht ihn, ruft ihn – und Matthäus steht auf und folgt ihm. Und das erste, das sie gemeinsam tun: Sie essen miteinander. Das Essen
schafft eine besondere Beziehung zwischen Jesus und Matthäus. Von nun an gehören sie zusammen.

Die  Väter  der  ersten  Jahrhunderte  gehen  zumeist  davon  aus,  dass  Matthäus  und  Levi  Namen  derselben  Person sind. Manche Theologen unserer Tage bezweifeln dies. Die diversen Überlieferungen der ersten Jahrhunderte  weisen  ihm  sehr  unter schiedliche Länder als Wirkungsgebiete zu. Bis zum Jahre 42 soll er in Jerusalem  gelebt  haben.  Danach  berichten verschiedene Autoren von seinem Predigtdienst in Mesopotamien, Persien und sogar Äthiopien.

Eine Legende erzählt, dass er den Tod durch  einen  Dolch  fand,  als  er  einem König  die  Heirat  mit  seiner  Nichte  untersagte. Andere  berichten,  er  sei  enthauptet oder auch verbrannt worden.
Der  21.  September  gilt  in  der  evangelischen  und  der  katholische  Kirche  als Gedenktag  für  Matthäus.  In  der  orthodoxen  Kirche  wird  seiner  am  16.  November gedacht.

Beeindruckend ist für mich immer wieder der sehr kurze Bericht über die Berufung des  Zöllners  Matthäus.  Es  macht  den Eindruck,  als  habe  er  dort  an  seinem Zolltisch  gesessen  und  getan,  was  er eben  alle  Tage  getan  hat  –  und  doch nur  darauf  gewartet,  dass  Jesus  vor beikommt und ihn ruft. Damit rechnen, dass Jesus ihn auch nur sieht oder gar anspricht, das konnte er nicht wirklich.

Dass  der  Rabbi  ausgerechnet  ihn  ruft –  das  ist  eigentlich  undenkbar.  Und doch – als Jesus kommt und sagt: „Folge mir!“, da findet Jesus den Matthäus bereit. Keine Ausflucht. Kein „Ich muss erst  noch  nach  Hause und meiner Familie Bescheid sagen.“ oder „Ich muss hier erst noch aufräumen, die Unterlagen
ordentlich zusammenlegen und das Geld sicher verwahren.“

Es  heißt  schlicht:  Und er  stand  auf  und  folgte ihm.Als hätte er eben doch erwartet,  dass  dieser Ruf kommt. Auf welchen Ruf warten wir?  Und  kann  ich  auf Gottes Ruf heute so frei reagieren,  wie  Matthäus? Das gebe Gott.

Pfarrer Jens Giese,
Sosa