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Lieder der ReformationLieder der ReformationReformationsjubiläum 2017

Unser Reformationsreigen geht natürlich auch in diesem Jahr weiter, zumal wir nun in den Höhepunkt der Reformationsdekade, das eigentliche 500. Reformationsjubiläum einsteigen.

Die Reformatoren transportierten ihre Botschaften wesentlich durch Lieder. Dabei bedienten sie sich bekannten Volksliedgutes ebenso, wie alter Kirchenlieder, die sie eindeutschten oder mit neuen Texten versahen. Allein im Evangelischen Gesangbuch(EG)  finden sich 32 Lieder, die in Text oder/und Melodie auf Luther zurückgehen.

Die Pfarrer des Eibenstocker Pfarrkonventes


Die Beiträge des vergangenen Jahres können Sie übrigens in unserem Archiv unter
Reformationskalender 2016  nachlesen.




Matthias Claudius

Matthias Claudius 1740-1815Matthias Claudius 1740-1815Von Matthias Claudius haben wir nur zwei Lieder in unserem Evangelischen Gesangbuch.
Dafür zählen sie zu den schönsten: Das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ (EG 482) und das Erntedanklied „Wir pflügen und wir streuen“ (EG 508).

Matthias Claudius wurde am 15. August 1740 in Reinfeld (bei Lübeck) geboren. Sein Vater war Pfarrer, seine Mutter Flensburger Ratsherrentochter. In Jena begann er sein Theologiestudium, das er aber wegen eines „Brustleidens“ schon nach kurzer Zeit abbrach. Stattdessen studierte er Rechts- und Staatswissenschaften.1764 kam er für ein Jahr als Privatsekretär nach Kopenhagen. Hier schloss er sich dem vielbewunderten Dichter Klopstock an. Bald schon zog er nach Hamburg, wo er als Schriftleiter tätig wurde. Eine enge Freundschaft verband ihn nun unter anderem mit Lessing und Herder. Seit 1771 war er Herausgeber des „Wandsbecker Boten“, einer Zeitung, die viermal pro Woche erschien. Matthias Claudius übernahm hierbei den „Poetischen Winkel“ eine literarische Rubrik innerhalb dieser Zeitung. Sein „Wandsbecker Bote“ lag ihm sehr am Herzen, und er hat dafür viel Kraft und Zeit investiert. Umso schmerzlicher war es für ihn, als das Blatt „einging“. Seine bisher in dieser Zeitung erschienenen Textbeiträge gab er zusammengefasst heraus in einem Sammelband unter dem Titel „Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten“. Darin entfaltet er tiefsinnige Gedanken und offenbart eine „herzensfromme“ und zugleich undogmatisch mystische Geisteshaltung.

An dieser Stelle nur ein kleiner Auszug hieraus: „Der Mensch ist für eine freie Existenz gemacht, und sein innerstes Wesen sehnt sich nach dem Vollkommenen, Eigenen und Unendlichen, als seinem Ursprung und Ziel. Er ist hier aber an das Unvollkommene gebunden, an Zeit und Ort; und wird dadurch gehindert und gehalten und von dem väterlichen Boden getrennt. Und darum hat er hier keine Ruhe, wendet und mühet sich hin und her, sinnet und sorgt und ist in beständiger Bewegung zu suchen und zu haben, was ihm fehlt und ihm in dunkler Ahnung vorschwebt.“

Erst in Gottes Ewigkeit – so der Gedanke des Dichters – wird dieses Sehnen Erfüllung finden. Diese Sehnsucht nach dem Vollkommenen, nach dem Göttlichen – so folgert er – macht den Menschen größer und edler als die ihn umgebende sichtbare Welt. Denn diese reale, sichtbare Welt reicht niemals heran an die ersehnte, die der Mensch als Ahnung und Abbild tief in seiner Seele trägt. Matthias Claudius ist geprägt von großer Ehrfurcht gegenüber der Wirklichkeit Gottes: Selbst die scharfsinnigsten Erkenntnisse des Menschen erfassen niemals die Tiefe des göttlichen Geheimnisses .Das meiste bleibt uns verborgen. In seinem berühmten Abendlied dient ihm zur Verdeutlichung dieser Einsicht der Mond als Metapher, der „nur halb zu sehen“ und „doch rund und schön“ ist: Und er resümiert: „So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn“ (EG 482,3). Matthias Claudius lebte mit seiner Familie – seiner Ehefrau Rebekka und seinen elf Kindern – in ärmlichen Verhältnissen, aber glücklich. Am 21. Januar 1815 ist er vierundsiebzigjährig in Hamburg verstorben.

Pfarrer Christof Schumann, Johanngeorgenstadt