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Momentaufnahmen

 

Momentaufnahmen 

Nach unserem Exkurs durch das Kirchenjahr soll es in diesem Jahr um besondere Momente gehen. Unser Leben besteht aus einer endlosen Aneinanderreihung von Augenblicken. Die meisten davon kommen und gehen, ohne dass wir sie  bewusst erleben. Nur an einige besondere Momente  können wir uns später noch genau erinnern, weil sie  uns tief beeindruckt haben. Der Moment (von dem lateinischen Begriff momentum „Dauer einer Bewegung“) ist immer das, wozu er gemacht wird.  
 
Ich lade Sie ein, verschiedene Momente des Lebens mit mir zu beleuchten und möchte Sie zum Nachdenken inspirieren. Sicher fallen auch Ihnen Augenblicke Ihres Lebens dabei wieder ein, an die sie lange nicht gedacht haben. Ich würde mich freuen, wenn Sie diese besonderen Erinnerungen nutzen, um Gott dafür zu danken. Vielleicht holen Sie auch ein Fotoalbum heraus oder rufen jemanden an, mit dem Sie die Erinnerung teilen. Wenn Sie möchten,  schreiben Sie sich besondere Momente in diesem Jahr auf und lassen Sie am Jahresende Revue passieren. Sie werden erstaunt sein, wie viele besondere Momente wir alle erleben dürfen.

 

März 2017 - Stille Momente


Sonntagmorgen gegen 8.00 Uhr an der Hauptstraße in Schönheide. Irgendetwas ist anders als an anderen Tagen: Es ist so ruhig. Der Straßenlärm der Autos und LKWs, der uns sonst früh an den anderen Wochentagen weckt, ist nicht da. Fast ein bisschen unheimlich. 
 
Ruhige Momente sind rar in unserem Leben – wir sind ständig von Geräuschen, Lärm und Hektik umgeben. Eine leere Wohnung macht vielen Menschen Angst und sie bekämpfen die Stille mit einem Fernseher oder Radio. Sie fühlen sich einsam.  
 
Wer viel um die Ohren hat (und das ist durchaus wörtlich gemeint), empfindet plötzliche Stille oft als irritierend. Dabei ist es meist gar nicht still – Vögel zwitschern, der Wind raschelt durch die Bäume, eine Uhr tickt. Nur wer gehörlos ist, lebt in einer total stillen Welt.  
 
Wir sind mittlerweile eine gewisse Unruhe um uns herum gewöhnt, wir brauchen sie sogar, um uns „mitten im Leben“ zu fühlen. Viele Geräusche nehmen wir gar nicht mehr wahr. Lauschen Sie einmal – was hören Sie gerade? In meinem Arbeitszimmer pfeift die Heizung leise und die Uhr tickt, der Lüfter des Computers rauscht und einige Autos sind vorbei gefahren.  
 
Mit sich und Gott allein sein, nachdenken oder meditieren, störende Geräusche ausblenden, Kraft tanken – uns fehlt dafür einfach die Zeit und auch die Entspannung. Dabei sind solche Auszeiten für unsere Seele sehr wichtig.Allein sein und sich einsam fühlen sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. 
 
Immer mehr Menschen suchen deshalb Orte auf, wo es weniger Umweltreize gibt – Klöster bieten Einkehrwochen und Seminare an. Wer es extrem mag, wandert allein auf dem Jakobsweg oder durch die Appalachen. Jesus wanderte allein durch die Wüste, um mit seinen Gedanken und Gott allein zu sein.  
 
Ich  bewundere Menschen, die so etwas machen, denn sie haben sicher intensive persönliche Erfahrungen. Mir reichen oft einige Minuten, in denen ich nachdenken und einfach die Gedanken fließen lassen kann. Oft kommen mir dann auch gute Ideen. Ich kehre quasi bei mir selbst ein und halte ein Zwiegespräch mit meinen Gedanken.  
 
Mit Gott haben wir einen Zuhörer, der sich geduldig unsere manchmal unlogischen und unfertigen Gedanken anhört und uns hilft, diese zu ordnen und zu Ende zu denken. Dabei erteilt er nicht einfach gute Ratschläge, sondern hilft, unser eigenes Gedankenwirrwarr zu sortieren und Erkenntnisse zu gewinnen. Wir müssen uns nur darauf einlassen und bewusst stille Momente suchen. 

 

Zwei irische Segenssprüche fassen es gut zusammen: Geh deinen Weg ruhig inmitten von Lärm und Hast, und sieh, welchen Frieden die Stille dir schenkt“ und „Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die in der lauten Welt keine Bewunderer haben. 

 

Genießen wir also die ruhigen Momente im Leben und lassen Stille auch einmal zu. Es ist sehr erholsam für Geist und Seele.  

 

Einen ruhigen März wünscht Ihnen Susanne Schlesinger 

Stilles Oertchen © S. SchlesingerStilles Oertchen © S. Schlesinger