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Momentaufnahmen

 

Juli: Zeit(lose) Momente 

Vor kurzem ist bei mir im Arbeitszimmer die Wanduhr stehen geblieben. Ich habe gar nicht gemerkt, denn ich war in meine Arbeit vertieft. Erst als es draußen dunkel wurde und die Uhr immer noch 15.00 Uhr anzeigte, merkte ich, dass etwas nicht stimmen kann.  

Die Zeit ist immer wieder ein wichtiges Thema, nicht nur für mich und hier in meinen Beiträgen, sondern auch generell. Früher maß man die Zeit mehr oder weniger genau mit Hilfe von Sonnenuhren, Wasseruhren oder die Menschen arbeiteten einfach von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Heute bestimmen Atomuhren die Zeit mit einer Genauigkeit im Millionstel-Bereich und steuern alle elektronischen Uhren auf der Welt danach. Das verhindert zwar nicht, dass ein Zug Verspätung hat, jedoch weiß man genauestens, um wieviele Millisekunden er zu spät dran war.  

Wir verlassen uns auf die Zeitmesser und richten unser Leben danach aus. Der satellitengesteuerte Wecker oder das internetgesteuerte Handy wecken uns rechtzeitig, unser Arbeitsleben ist durchgeplant– meist auf die Minute, viele essen immer um die gleiche Zeit oder schauen pünktlich um 20.00 Uhr die Tagesschau.  

Meine Mutter sagt gern: „Das Leben muss einen Rahmen haben“, jedoch gibt es Unterschiede zwischen einem gleichmäßigen Rhythmus und Termindruck, durch den sich viele Menschen gehetzt und gestresst fühlen. Sie sehnen sich nach einem Lebensrhythmus, der ihrer eigenen inneren Uhr mehr entgegenkommt. Das ist aber meist nicht möglich, denn die gesellschaftlichen Normen und Vorgaben lassen nicht zu, eine Arbeit im eigenen Tempo zu erledigen.  
 

Machen Sie einmal folgenden Test. Nehmen Sie eine Uhr mit Minutenzeiger oder eine Stoppuhr. Schließen Sie die Augen. Nun versuchen Sie einmal zu schätzen, wie lange eine Minute ist (nicht zählen, einfach wieder auf die Uhr schauen, wenn Sie denken, die Minute ist verstrichen).   
 
War die Minute tatsächlich um? Bei mir sind es rund 45 Sekunden gewesen. Ich empfinde also, dass die Zeit schneller vergeht, als sie es tatsächlich tut. Den meisten anderen Testpersonen geht es übrigens genauso. Es liegt daran, dass wir uns sehr stark auf die Zeit konzentrieren. Umgekehrt empfinden wir Momente, die für uns besonders entspannend sind oder vielleicht auch langweilig, als länger.  

Immer wieder ist von Zeitmanagement die Rede und es wird versprochen, dass man erfolgreicher ist, zufriedener und glücklicher, wenn alles durchgeplant und organisiert wird. Dabei sind es oft die kleinen und ungeplanten Momente, oder auch einfach ein bisschen Zeitverschwendung, die den strukturierten Alltag bunter und schöner machen.  

Zeit in den HändenZeit in den Händen

 
Manchmal wünsche ich mir auch, einen bestimmten Augenblick noch einmal erleben zu dürfen. Nicht als DejáVu, sondern weil ich es s schön fand oder auch, weil ich etwas hätte anders machen können. Bei einem Rad- oder Autorennen wird manchmal eine bestimmte Zeit gutgeschrieben, wenn es unvorhergesehene Schwierigkeiten gibt. Ich denke dann immer: „Was würden einige Menschen darum geben, auch einmal fünf Minuten ihres Lebens gutgeschrieben zu bekommen?“ – vielleicht um eine Entscheidung zu revidieren oder länger darüber nachzudenken.  Oder etwas zu tun, was sie damals nicht geschafft haben oder einfach fünf Minuten eine Situation länger glücklich zu sein.  

Wieder einmal geht es darum, die Zeit bewusst zu erleben und sich zu entschleunigen. Wir müssen mehr in der Gegenwart leben und nicht ständig schon das nächste Ziel, den nächsten Termin vor Augen haben.Zeit zu haben ist ein Geschenk und Zeit zu verschenken macht uns zufriedener als ewig der Zeit hinterher zu jagen, die uns vermeintlich davonläuft.  

 
Passend dazu ein irischer Segensspruch: „Möge die Zeit still stehen, wenn du die Stunden mit Leben füllst, aber einen Sprung machen, wenn Ärger dich überkommt“.  
 
Viele zeitlos schöne Momente im Juli wünscht Ihnen Susanne Schlesinger