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Momentaufnahmen

 

Momentaufnahmen 

Nach unserem Exkurs durch das Kirchenjahr soll es in diesem Jahr um besondere Momente gehen. Unser Leben besteht aus einer endlosen Aneinanderreihung von Augenblicken. Die meisten davon kommen und gehen, ohne dass wir sie  bewusst erleben. Nur an einige besondere Momente  können wir uns später noch genau erinnern, weil sie  uns tief beeindruckt haben. Der Moment (von dem lateinischen Begriff momentum „Dauer einer Bewegung“) ist immer das, wozu er gemacht wird.  
 
Ich lade Sie ein, verschiedene Momente des Lebens mit mir zu beleuchten und möchte Sie zum Nachdenken inspirieren. Sicher fallen auch Ihnen Augenblicke Ihres Lebens dabei wieder ein, an die sie lange nicht gedacht haben. Ich würde mich freuen, wenn Sie diese besonderen Erinnerungen nutzen, um Gott dafür zu danken. Vielleicht holen Sie auch ein Fotoalbum heraus oder rufen jemanden an, mit dem Sie die Erinnerung teilen. Wenn Sie möchten,  schreiben Sie sich besondere Momente in diesem Jahr auf und lassen Sie am Jahresende Revue passieren. Sie werden erstaunt sein, wie viele besondere Momente wir alle erleben dürfen.

 
Januar: Echt jetzt? - Echte Momente

 
Weihnachten ist vorbei und das neue Jahr beginnt. Hatten Sie schöne Feiertage und wurden Ihre Erwartungen erfüllt? Weihnachten ist nicht nur für Kinder ein großer Moment, auch wir Erwachsenen träumten wieder jeder auf seine Weise von Frieden und Harmonie. Besinnlich sollte es sein, vielleicht ein bisschen romantisch und kitschig und natürlich muss es gutes Essen geben. Und wenn es dann noch geschneit hat, ist der Traum vom perfekten Fest wahr geworden – ein echtes Weihnachtserlebnis! 

Was ist heutzutage aber schon noch echt? Unsere ganze Umwelt besteht aus nachgeahmten und kopierten Dingen, aus Illusionen und „Fast-wie“-Materialien.  

Bei meiner letzten USA-Reise besuchten wir auch das Warner-Brothers-Filmstudio in Hollywood. Hier werden echte Filme in vielen unechten Kulissen gedreht. Ein Straßenzug aus Fassaden dient in einem Film als New York der Zwanziger Jahre und im nächsten Film ist es Tokio oder Paris. Scheinbar solide Wände bestehen nur aus Sperrholz, selbst der Kaffee und die Kekse sind nur farbiges Wasser und Plastik. Und wenn Schnee bei 30 Grad gebraucht wird, hilft man mit Kartoffelpüree-Flocken nach. Trotzdem wird es später auf der Leinwand täuschend echt aussehen.  
 
Im Supermarkt gibt es vegane Wurst oder Analogkäse (der Name sagt es schon), Lebensmittel enthalten naturidentische, sprich künstliche Zusatzstoffe, die ganz natürlich schmecken. Kunstfell und –leder sind kaum vom echten Fell und Leder zu unterscheiden. Fake News“ machen die Runde und werden als Wahrheit verkauft, kein Foto wird gedruckt, dass nicht mit Photoshop optimiert wurde.  
 
Es gibt noch viel mehr Beispiele. Wir sind mittlerweile daran gewöhnt und auch wenn es manchmal eben nur echt aussieht, aber keine echte Qualität hat, dann trösten wir uns damit, dass es eben günstiger war und das doch auch etwas unechtes seinen Zweck erfüllt oder eben genauso schmeckt. Vor allem, wenn wir sowieso keinen Vergleich haben.  
 
Bei all dem Unechten um uns herum frage ich mich aber auch: Wie echt sind wir als Menschen? Können wir uns zum Beispiel noch echt freuen, wenn wir ein Geschenk bekommen – ganz ohne uns Gedanken darum zu machen, dass es doch gar nicht nötig war oder was das gekostet haben muss? Empfinden wir echte Begeisterung, wenn es schneit oder ist unser erster Gedanke, dass wir wieder schippen müssen? Spüren wir echte Betroffenheit, wenn es jemandem anderen schlecht geht? Lässt unsere Gesellschaft echte Gefühle überhaupt noch zu, oder werden wir belächelt, wenn wir in der Öffentlichkeit weinen oder jemanden herzlich umarmen und echte Zuneigung zeigen?  
 
Ist unser Glaube wirklich immer echt oder überlegen wir nicht doch immer wieder, ob es noch eine Hintertür gibt, durch die wir uns auch selbst helfen könnten, wenn es mit Gott nicht klappt? Sind wir echte Christen? Es liegt mir fern, den moralischen Zeigefinger zu erheben, denn oft genug ertappe ich mich selbst dabei, dass ich mit für ein Geschenk bedanke, obwohl ich es nicht mag oder mit einrede, dass etwas Unechtes ja „Fast-wie-echt“ und damit genauso gut ist.  
 
Vielleicht sollte deshalb ein Vorsatz für das neue Jahr sein, mehr nach dem Echten und Authentischen zu suchen und echte Gefühle zuzulassen.   

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und glückliches neues Jahr – ganz echt!  
 
Ihre Susanne Schlesinger