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Vom 18. bis 24. September Bibelwoche zum Matthäusevangelium: „Wir haben
seinen Stern gesehen“
Im Paul-Gerhardt-Haus

Beginn jeweils 19:30 Uhr

 

Momentaufnahmen

 

Momentaufnahmen 

Nach unserem Exkurs durch das Kirchenjahr soll es in diesem Jahr um besondere Momente gehen. Unser Leben besteht aus einer endlosen Aneinanderreihung von Augenblicken. Die meisten davon kommen und gehen, ohne dass wir sie  bewusst erleben. Nur an einige besondere Momente  können wir uns später noch genau erinnern, weil sie  uns tief beeindruckt haben. Der Moment (von dem lateinischen Begriff momentum „Dauer einer Bewegung“) ist immer das, wozu er gemacht wird.  
 
Ich lade Sie ein, verschiedene Momente des Lebens mit mir zu beleuchten und möchte Sie zum Nachdenken inspirieren. Sicher fallen auch Ihnen Augenblicke Ihres Lebens dabei wieder ein, an die sie lange nicht gedacht haben. Ich würde mich freuen, wenn Sie diese besonderen Erinnerungen nutzen, um Gott dafür zu danken. Vielleicht holen Sie auch ein Fotoalbum heraus oder rufen jemanden an, mit dem Sie die Erinnerung teilen. Wenn Sie möchten,  schreiben Sie sich besondere Momente in diesem Jahr auf und lassen Sie am Jahresende Revue passieren. Sie werden erstaunt sein, wie viele besondere Momente wir alle erleben dürfen.

 
August: Umgeleitete Momente


Diesen Sommer scheint es besonders schlimm zu sein. Wo man auch hinfährt, gibt es Umleitungen oder Sperrungen wegen Straßenbau- oder Abrissarbeiten. Auf direktem Weg kommt man derzeit eigentlich nirgendwo hin.   

Es kostet Zeit und Nerven, aber doch gelangt man immer irgendwie ans Ziel, wenn erst einmal der richtige (Schleich)-Weg gefunden wurde.  

Im Leben ist es oft auch so. Nicht immer gelangt man auf direktem Weg zu einem erträumten Ziel. Was wollten Sie werden, als Sie ein Kind waren? Bei mir war es Tierärztin, denn ich fand die Vorstellung toll, Tiere gesund zu machen. Zu DDR-Zeiten gab es jedoch keine Kleintierpraxen und Tierärzte waren hauptsächlich in den Großviehbetrieben zu finden. Das schreckte mich nicht ab. Es war die Tatsache, auch ein Tier einschläfern zu müssen, die den Traum schließlich begrub.  
 
Also machte ich es wie in der guten alten Zeit und erlernte nach der 10. Klasse den Handwerksberuf, den auch meine Mutter hatte – Damenmaßschneiderin. Vom Geschick konnte ich es, aber es machte mich nicht glücklich. Ich schulte noch einmal auf Reiseverkehrskauffrau um (der Wende sei Dank) und hatte damit den richtigen Beruf für mich gefunden. Ich konnte damals natürlich nicht ahnen, wie vielfältig und bunt die verschiedenen Arbeitsstellen und Erfahrungen sein würden, die ich in den letzten 25 Jahren gemacht habe.  

Auf meinem Weg habe ich viele kleine Abzweigungen und Umleitungen genommen. Wie in dem Labyrinth bin ich auch schon in Sackgassen gelandet und musste wieder umkehren. Ab und zu dachte ich auch, es sei eine Abkürzung, die sich dann aber als viel langwieriger und beschwerlicher herausstellte. Der richtige Weg ist nicht immer der kürzeste und die Erkenntnis, sich eventuell verlaufen zu haben, ist manchmal schwer. Und bei vielen Entscheidungen weiß man erst hinterher, ob es die Richtige war.  

Ein Sprichwort sagt: „Wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er dir ein Fenster“. Leider erkennt man es oft in dem Moment nicht. Der Weg, der offen ist, führt manchmal durch ödes Land und Durststrecken und ist vielleicht steiniger und unbequemer, trotzdem kann er der richtige Weg sein.  

Rückblickend hätte ich natürlich noch hier und da eine andere Abzweigung nehmen können z.B. eine Weile im Ausland leben und arbeiten können oder vielleicht hätte ich studieren sollen… aber es ist müßig, verpassten Chance nachzutrauern. Vielmehr sollte man den Blick nach vorn richten und vielleicht ist hinter der nächsten Biegung eine ganz neue Perspektive und es wartet eine große Chance? Das lässt sich aber nur herausfinden, wenn man weitergeht.  
 
Ein Umweg eröffnet oft überraschende Ausblicke und Möglichkeiten. Amerika wurde eigentlich auch nur entdeckt, weil Christoph Kolumbus einen Seeweg nach Indien suchte. Und bei einer Umleitungsstrecke findet man vielleicht einen hübschen Ort oder eine neue Gegend zu einer Wanderung. 

Und… man weiß vorher nie, wofür es hinterher gut war. Ärgern wir uns also nicht über Umleitungen, sondern sehen sie als Chance, den Horizont (und unsere Ortskenntnisse) zu erweitern.  Und irgendwie kommt man immer ans Ziel.  
 
Lassen Sie sich also ab und zu (um)leiten! 
 
Susanne Schlesinger 

Labyrinth