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Vom 18. bis 24. September Bibelwoche zum Matthäusevangelium: „Wir haben
seinen Stern gesehen“
Im Paul-Gerhardt-Haus

Beginn jeweils 19:30 Uhr

Kirchenrallye - So haben wirs erlebt!

7. Station am 15. August in der Kirche in Bockau


„In der Bockauer Kirche gibt’s nicht viel zu sehen“, sagte eine Bockauerin neulich bei einer früheren Kirchen-Rallye-Station.

Die Kirche in Bockau, die derzeit verwaist ist und erst ab September einen neuen Pfarrer bekommt, ist tatsächlich schlicht und auch nicht sonderlich groß, jedoch gibt es eine Menge zu entdecken - manches erst auf den zweiten Blick. Pfarrer Jochen Härtwig, der im Ruhestand ist, nahm die Teilnehmer der Kirchenrallye mit auf eine Zeitreise durch Bockaus Geschichte und wusste viel Interessantes zu berichten.

Die Kirche der Gemeinde Bockau, die im 17. Jahrhundert durch Bergbau, die Herstellung von Vitriol (auch rauchende Schwefelsäure genannt) und die Arzneimittelherstellung zu Wohlstand gelangte, bekam 1637 ihre heutige Gestalt mit einer Glocke auf dem Dach. Zwischen 1719 und 1723 wurde dann der Kirchtum hinzugefügt, der auch den Innenraum erweiterte. 1993/94 wurde der Innenraum saniert.

Die eigentlichen Schätze der Kirche bleiben meist verborgen. Zwei Bergmannsleuchter aus dem Jahr 1677 zeigen die Bergmänner nicht wie üblich in ihrer Festtagstracht, sondern im Alltagshabit mit Kittel, Grubenhose, Arschleder und Erzwanne. Sie wurden von dem Steiger Samuel Enderlein für die Kirche in Auftrag gegeben und gestiftet. Heute werden die Leuchter nur zu den hohen Feiertagen auf den Altar gestellt.

Der größte Schatz der Kirche ist jedoch ein Abendsmahlskelch aus Augsburger Silber aus dem Jahr 1695, der von Arzneimittelhändlern aus Bayern mitgebracht und gestiftet wurde. Der Kelch ist so wertvoll, dass er schon zu DDR-Zeiten zu den Kulturgütern gerechnet wurde und Pfarrer Härtwig die Anweisung bekam, ihn „atombombensicher“ zu verwahren.

Ein dreidimensionales Bild aus Böhmen, dass die Geschichte von Jesu Geburt zeigt und eine Statue des auferstandenen Jesus sowie wie die Kanzel mit den geschnitzten Figuren, die Jesus, die Evangelisten und Moses mit den Gesetzestafeln darstellen, sind ebenfalls wunderschöne Schnitzarbeiten.

Das Altarbild, das das Abendmahl zeigt, stammt aus der Schule von Lucas Cranach, wurde aber vermutlich von einem Schüler eines Schülers gemalt. Die Besonderheit sind die Köpfe und Gesichter - sie stellen nicht die Jünger, sondern Persönlichkeiten der Reformation, also Luther, Melanchthon, den Kurfürsten Johann Friedrich den Großmütigen usw. dar.

In der Bockauer Kirche gibt es also jede Menge zu sehen und zu entdecken und wen ein Unwohlsein plagt, der kann in der benachbarten Likörfabrik einen Angelika-Likör nach einem Rezept der frühen Arzneimittelhersteller degustieren.