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Reformationsjubiläum 2017

Der Countdown läuft!

14 Monate sind es nur noch bis zum Reformationsjubiläum. Wir starten für Sie einen „Reformationskalender“. Öffnen Sie mit uns in jedem Monat ein Türchen, lesen Sie unser
Kalenderblatt! Wir erzählen Ihnen das eine oder andere davon, was in der Reformationszeit geschehen ist.

Die Pfarrer des Eibenstocker Pfarrkonventes

 

Reformationskalender September 2016Reformationkalender September 2016

Im Spätsommer 1511 – wahrscheinlich im September – reiste Martin Luther nach Rom.  Martin Luther ist zu diesem Zeitpunkt von ganzem Herzen Augustiner-Eremit. Er lebt die Klosterregeln und fühlt sich in der altgläubigen Frömmigkeit, zu der auch die römische Buß- und Ablasspraxis gehört, ganz heimisch. Aus dieser Zeit finden sich in den schriftlichen Zeugnisses kaum Zweifel Martin Luthers an der Kirche. Die Romreise Luthers ist auf den ersten Blick eine ganz normale Pilgerreise, wie sie im Spätmittelalter Tausende Christen unternehmen.  

Doch es ist diese Reise, die auf Martin Luther und auf die Reformation große Wirkung hatte. In Rom prallen für den einfachen Augustiner-Eremiten Luther Welten aufeinander. Auf der einen Seite erlebt er hier tiefe Frömmigkeit. Er selbst erklimmt auf Knien die Heilige Treppe im Lateran, um so Sündenvergebung und Ablass vom Fegefeuer zu erhalten. Er legt in Rom seine dritte Generalbeichte ab. Auf der anderen Seite aber sieht er die prachtvollen Kirchen und die Paläste der Kirchenoberen. Er nimmt die Ränke- und Machspiele der römischen Kurie wahr. Er erlebt die moralische Verdorbenheit von Bischöfen und Priestern, die dem Kirchenvolk Wasser predigen und selbst Wein saufen. 

Durch dieses desolate Bild der öffentlichen Kirche geschockt, beginnt er das kirchliche Handeln, die praktizierte Frömmigkeit, ja den Glauben selbst zu hinterfragen. Für Martin Luther ist die Romreise der erste große Impulsgeber hin zur Reformation. 

Das ist durchaus bemerkenswert. War für Martin Luther das Schockerlebnis der Romreise ein Ansporn zur Neugestaltung der Kirche, sind die heutigen „Schockerlebnisse“ oft nur Ansporn zum Kirchenaustritt oder zur Resignation.  

Da baut sich ein Limburger Bischof einen Luxustempel. Die Kirche bekommt in der Öffentlichkeit den Stempel der Verschwendungssucht aufgedrückt. Menschen treten aus der Kirche aus. Der aufgedrückte Stempel bleibt. 

Da werden Kontoinhaber von ihren Banken darüber informiert, dass die Kirchensteuer auf Zinserträge zukünftig automatisch abgezogen wird. Bei vielen entsteht der Eindruck, dass die Kirche nur ihr Geld haben will. Daraufhin treten Menschen aus der Kirche aus. 

Luther als Augustinermönch
Kopie nach Lucas Cranach d.A.Luther als Augustinermönch Kopie nach Lucas Cranach d.A.Da machen Menschen mit Pfarrern oder anderen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern eine schlechte Erfahrung. Da auch Mitarbeiter der Kirche fehlbare Menschen mit charakterlichen Ecken und Schwächen sind, bleiben solche Erfahrungen ja nicht aus. Doch die, die solche Erfahrungen machen, ziehen sich meist innerlich aus dem Gemeindeleben zurück oder treten aus. 

Wird heute Kirche negativ erlebt, führt das oft zur Abkehr von dieser. Kaum sind solche Erlebnisse wirklich Ansporn, Kirche neu zu gestalten wie bei Martin Luther. Warum das so ist, darauf kann man bestimmt viele kluge Antworten finden. Ich denke aber, dass uns Martin Luther einen tiefen Glauben voraus hatte. Er war so tief im Glauben an Jesus Christus verwurzelt, dass eine Abkehr von Kirche und Glauben in seinem Denkhorizont gar nicht vorkam.

Für Martin Luther galt eine andere Devise: Ist die Kirche auf einem Irrweg, habe ich das das Meine zu tun, die Kirche wieder auf den Weg Christi zu rufen. Ein Stück dieses tiefen Glaubens des einfachen Augustiner-Eremiten würde uns und auch unserer Kirche heute durchaus gut zu Gesicht stehen!
 

 

 

Pfarrer Matthias Lehmann