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Reformationsjubiläum 2017

Der Countdown läuft!

14 Monate sind es nur noch bis zum Reformationsjubiläum. Wir starten für Sie einen „Reformationskalender“. Öffnen Sie mit uns in jedem Monat ein Türchen, lesen Sie unser
Kalenderblatt! Wir erzählen Ihnen das eine oder andere davon, was in der Reformationszeit geschehen ist.

Die Pfarrer des Eibenstocker Pfarrkonventes

 

Reformationskalender November 2016Reformationkalender November 2016


„Baptizatus sum“ – „ich bin getauft“

 

In der Nacht vom 10. zum 11. November 1483 zwischen elf und zwölf Uhr wurde den Eheleuten Hans und Margarete Luther im thüringischen Eisleben ein Sohn geboren. Wie zu damaliger Zeit üblich, wurde der Knabe schon am folgenden Tag, dem 11. November, von einem Messdiener in der Petrikirche getauft und nach dem Heiligen des Tages „Martinus“ genannt. 

Die Taufe war damals ein selbstverständlicher Ritus, der an allen neugeborenen Kindern vollzogen wurde, aber bedeutungsvoll für das Seelenheil der Menschen sind andere Dinge gewesen: Wallfahrten, Fasten, Almosen, die Verehrung der Heiligen. 

„So gut wie niemand ist sich seiner Taufe bewusst. Ganz davon zu schweigen, dass man in ihr eine einzigartige Auszeichnung erkennen würde. Ursache dafür ist: Man hat tausend Wege aufgespürt, auf denen man die Kluft zwischen Gott und Mensch überbrücken und damit zum vollkommenen Leben vordringen will“, schreibt Luther 1520. 

Luther war es ein wichtiges Anliegen geworden, das Gewicht der Taufe für das geistliche Leben des Menschen bekannt zu machen. In der Flugschrift „Ein Sermon von dem heiligen hochwürdigen Sakrament der Taufe“ legt er seine Gedanken dar. Sie verließ am 9. November 1519 die Wittenberger Druckerpresse und brachte es bis 1522 auf 16 Auflagen. 

Luther erinnert darin, dass das griechische Wort „Baptismos“ für Taufe etwas meint, was man ganz in das Wasser taucht, so dass es über ihm zusammenschlägt. Das Zeichen besteht darin, dass man den Menschen in dem Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes in das Wasser steckt. Aber man lässt ihn nicht darin, sondern hebt ihn wieder heraus. Darum nennt man es „aus der Taufe heben“. Der aus der Taufe gehobene und geborene Mensch ist gerechtfertigt vor Gott, ein „Kind der Gnade“. Die Sünde ist mit Christus in der Taufe begraben. Gott hat sich in der Taufe durch einen gnädigen, tröstlichen Bund mit dir verbündet und vereinigt. So sagen die Paten, wenn sie das Kind aus der Taufe heben: „Siehe, deine Sünden sind nun ersäuft. Wir empfangen dich in Gottes Namen für das ewige, schuldlose Leben“. Das Zeichen dafür ist das „Westerhemd“, ein weißer Taufschleier, der nach der Taufe über den Täufling gebreitet wird und ein Sinnbild für die Gerechtigkeit ist, die Jesus Christus schenkt.

Die Sünde wird in der Taufe ganz vergeben, doch nicht so, dass sie nicht mehr da ist, sondern so, dass sie nicht angerechnet wird. 

„Die Sünde bleibt zwar bis in den Tod in unserem Fleisch und regt sich ohne Aufhören, aber solange wir nicht einwilligen oder in ihr bleiben, wird sie durch die Taufe so eingeordnet, dass sie weder verdammt noch Schaden bringt.“ 

Luther erinnert daran, was in 1. Johannes 2 Vers 1 f. gesagt ist: „Wenn jemand in Sünde fällt, so haben wir einen Fürsprecher vor Gott, Jesus Christus, der die Versöhnung für unsere Sünden geworden ist.“

„Deshalb muss man sich ganz kühn und rückhaltlos an die Taufe halten und sie allen Sünden und Gewissensängsten entgegenhalten und demütig sagen: ‚Ich weiß sehr wohl, dass ich kein reines Werk habe. Aber ich bin doch getauft, wodurch sich Gott, der nicht lügen kann, mir verpflichtet hat, mir meine Sünden nicht anzurechnen’.“ 

In der Taufe, das war Martin Luthers Überzeugung, sagt Gott einem Menschen Gnade, Liebe, Zuwendung, Lebenssinn zu. Sie war für ihn das zentrale Heilsereignis. In ihr hat der Reformator Ermutigung gefunden in Zeiten der Anfechtung. Alles Scheitern, alle Irrwege des Lebens können nicht rückgängig machen, was in der Taufe zugesagt ist.

Die Taufe ist der Ort, an den ein Christ jeden Tag zurückkehren kann, soll und darf: „Jeder Christ hat sein Leben lang genug zu lernen und zu üben an der Taufe. Seine Aufgabe besteht ja darin, dass er sich voll und ganz auf das verlässt, was ihm in ihr zugesagt und geschenkt ist.“

 

Volkmar Becher, Pfarrer in Eibenstock-Carlsfeld

 

Die Kirche Sankt Peter-Paul, die Lutherschulke (Luthers Geburtshaus) in Eisleben.Die Kirche Sankt Peter-Paul, die Lutherschulke (Luthers Geburtshaus) in Eisleben.