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Reformationkalender März 2016

Im März reist Pfarrer Michael Poppitz mit Ihnen am Sonntag Invokavit von der Wartburg nach Wittenberg und zurück:


Luther 2017Luther 2017Wie wahrscheinlich fest jedes Kind weiß, war Luther auf dem Heimweg vom Reichstag zu Worms auf Betreiben seines Landesherrn Friedrich der Weise auf die Wartburg gebracht worden und dort unter Schutzhaft gestellt. Klar- dass war so nicht geplant- weder von Luther, noch von seinen Mitstreitern in Wittenberg. Die sahen sich plötzlich der Last der anstehenden Aufgaben  und theologischen Fragen allein ausgeliefert und sie versuchten, so gut wie möglich, damit fertig zu werden. Freilich gab es eine rege Korrespondenz zwischen Wittenberg und Eisenach. Doch Luther erkannte bald, dass die Dinge in Wittenberg zunehmend aus dem Ruder liefen. Sein engster Vertrauter Philip Melanchton war ein ausgesprochen kluger Denker und Diplomat. Aber er war kein streitbarer Prediger wie Luther. Ganz anders Karlstadt, der sich bald an die Spitze der Wittenberger Bewegung setzte und die Reform des Gottesdienstes ebenso vorantrieb wie die Abschaffung der Bilderverehrung, die Wiedereinführung des Ehestandes für Geistliche oder auch das Abendmahl in beiderlei Gestalt, Brot und Wein.

Doch das überforderte viele in der Stadt. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen denen, die mit Karlstadt darauf drängten, die Reformen voranzutreiben, und jenen, die eher zögerlich waren, die an den vertrauten Gottesdienstformen hingen und sich regelrecht überfahren fühlten, als Karstadt etwa die Messgewänder der Priester abschaffte, die lateinische Messe, oder die Bilder aus den Kirchen entfernen ließ.

Luther erfuhr davon. Ihn hielt es nicht mehr länger auf der Wartburg. Gegen den Rat seines Kurfürsten verließ er die Burg Anfang März 1522 und kehrte über Borna nach Wittenberg zurück. Doch wie sollte er den Tumult bändigen? Luther wußte: Ich habe nur Gottes Wort. Das ist meine einzige Waffe. Und so predigte er sieben Tage hintereinander vom 9. bis zum 16. März 1522. Mit diesen, nach der ersten benannten Invokavitpredigten gelang es ihm, allein mit der Kraft des Wortes Gottes, nicht nur wieder Ruhe in die Stadt zu bringen, sondern das Abgleiten der Reformation in eine gewaltsame Revolution, wie es etwa von Thomas Müntzer in Zwickau angestrebt wurde, zu verhindern. Ansatzpunkt war für ihn zunächst die schon von Paulus geforderte Rücksicht auf die sogenannten Schwachen. Bei aller Reformbedürftigkeit und Reformwilligkeit mußte die Gemeinde mitgenommen werden- eine Tatsache, die sich auch heute bewahrheitet dort z.B., wo es um neue Gottesdienstformen geht. Natürlich stürmen die Jungen vor und haben ihre Fragen an den traditionellen Gottesdienst. Doch kann man einfach das, was Jahrhunderte getragen hat, über Bord werfen? Luther suchte nach Lösungen, die Vertrautes erkennbar bewahrten, den Gottesdienst aber für die Gläubigen verständlicher machten.

Was die Bilder betrifft, so sollte man einmal nach dem Besuch einer barocken, katholischen Kirche in eine reformierte Kirche gehen. Das Gefühl der Leere, das die damaligen Menschen umso drastischer erfasste als uns, die wir ja nicht über überbordend mit Kunstwerken gefüllte Kirchen klagen können, werden wir trotzdem spüren. Luther suchte einen Kompromiß, der aber eine klare Linie zog: Bilder dürfen nicht angebetet und verehrt werden. Dann werden sie zu Götzenbildern. Die damals in weiten Bereichen noch des Lesens unkundige Gemeinde schätze aber die Bilder zur Veranschaulichung der biblischen Geschichten – wohl wie wir heute auch noch. Luther warb für ein maßvolles, auf die Kraft der Geschwister bedachtes Vorgehen und erwies sich darin als guter Hirte seiner Gemeinde, dem vor allem die Einheit im Glauben am Herzen lag, ohne dabei auf faule Kompromisse zu bauen. Dies kann uns in den Herausforderungen unserer Kirche heute ein deutlicher und wichtiger Hinweis sein und bleiben.

Ihr Pfarrer Poppitz