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Reformationskalender August 2016Reformationkalender August 2016

von Michael Lippky, Bockau

Martin Luther, fraglos die überragende Gestalt der Reformation, hatte neben sich viele Mitstreiter, die der Reformation zum Erfolg verhalfen.

Zu dem Kreis der Mitarbeiter Luthers stieß 1518 auch Philipp Melanchthon, der in diesem Jahr, im August 1518, einem Ruf auf den Lehrstuhl für Griechische Sprache an der Universität Wittenberg folgte, übrigens die in dieser Zeit bedeutendste Universität in Europa.

Melanchthon war als Philipp Schwartzerdt am 16. Februar 1497 in Brettheim (heute Bretten bei Karlsruhe) geboren worden. Bereits in jungen Jahren zeigte sich seine außerordentliche Begabung in den klassischen Sprachen, besonders im Griechischen. „Schwartzerdt heißt du; ein Grieche bist du; griechisch soll auch dein Name lauten!“, soll sein Großonkel, der berühmte Humanist Johannes Reuchlin, zu ihm gesagt haben, auf den nachweislich die Gräzisierung des Namens im Jahr 1509 zurückgeht.

Da studierte der erst 12jährige Melanchthon bereits an der Universität, zunächst in Heidelberg, später in Tübingen, wo er nach der Promotion zum Magister im Alter von 17 Jahren Lehrer an der dortigen Universität wurde.

Als Philipp Melanchthon seine Wittenberger Professur aufnahm und am 25. August 1518 in Wittenberg anreiste, war man dort von dem schmalen, nur 1,50 großen Mann, der zudem noch einen kleinen Sprachfehler hatte, zunächst wenig beeindruckt. Das änderte sich nach seiner Antrittsrede, die er drei Tage später am 28. August in der Schlosskirche zu Wittenberg „Über die zu verbessernden Studien der jungen MenPhillip MelanchthonPhillip Melanchthonschen“ hielt, und nach der Luther von den Qualitäten seines neuen Kollegen sofort überzeugt war.

Umgekehrt wurde auch Melanchthon bald für die Lehre Luthers gewonnen, ja, er avancierte unter den Wittenberger Reformatoren zu einer herausragenden Persönlichkeit. So war es beispielsweise Melanchthon, der nach der Ächtung Luthers durch Kaiser Karl V 1521 (siehe „Reformationskalender“ April) die Außenvertretung der Wittenberger Reformatoren auf Reichstagen und in Religionsgesprächen übernahm.

Von seinen vielen Veröffentlichungen erlangten vor allem seine erstmals im Jahr 1521 erschienenen Loci communes rerum theologicarum („Grundbegriffe der Theologie“) – die erste systematisierende Darlegung der reformatorischen Lehre – bis heute anhaltende Bedeutung.
Mit seinen Bemühungen nicht nur um eine Reform der Kirche sondern darüber hinaus auch um eine reformatorisch-humanistische Erneuerung des gesamten Bildungswesens, der Schulen und Universitäten, erwarb er sich den Ehrennamen praeceptor Germaniae („Lehrer Deutschlands“).

Vielleicht stimmt das Urteil des Leipziger Kirchenhistorikers Armin Kohnle: „Ohne Melanchthon wäre Luthers Reformation gescheitert. Er verschaffte der reformatorischen Theologie in intellektuellen Kreisen eine Akzeptanz, die Luther niemals erreicht hätte.“

Melanchthon, der mit der Wittenberger Bürgermeistertochter Katharina Krapp verheiratet war und mit ihr vier Kinder hatte, starb 63jährig am 19. April 1560. Er wurde in der Schlosskirche zu Wittenberg ganz in der Nähe von Luther beigesetzt.