Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Martin Luther (rechts) auf dem Reichstag zu Worms vor dem Kaiser Karl V (links) und den
Kurfürsten (Mitte)Martin Luther (rechts) auf dem Reichstag zu Worms vor dem Kaiser Karl V (links) und den Kurfürsten (Mitte)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reformationkalender April 2016

Liebe Gemeinde,

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen.“

Wer kennt sie nicht, diese Worte Luthers?! Aber wo und in welchem Zusammenhang soll er sie gesagt haben?

Infolge seines Thesenanschlags am 31. Oktober 1517 und des Verdachts der Ketzerei war zum Ende des Jahres 1517 im Auftrag des Papstes gegen Luther ein Verfahren eingeleitet worden, an dessen Ende der Bann stand. Das war die damalige Höchststrafe der Kirche gegen Einzelpersonen und bedeutete deren Exkommunikation.

Das päpstliche Dokument, in dem sich die Kirche endgültig gegen Martin Luther festgelegt und ihm den Bann angedroht hatte für den Fall, dass er nicht innerhalb von 60 Tagen nach Veröffentlichung der sogenannten „Bannandrohungsbulle“ seine Lehren widerrufe, hatte Luther zusammen mit der kirchlichen Rechtssammlung am 10. Dezember 1520 vor dem Elstertor von Wittenberg demonstrativ verbrannt.

Um daraufhin den kirchlichen Bann gegen Luther in den deutschen Landen der damaligen Zeit wirksam durchzusetzen, bedurfte die Kirche der Unterstützung durch die weltlichen Herrschaftsträger, an erster Stelle des deutschen Kaisers. Papst Leo X versuchte daher Kaiser Karl V zu bewegen, über Luther die Reichsacht zu verhängen und diesen für „vogelfrei“, das heißt frei von jeglichem Schutz durch einen Fürsten des Reiches, zu erklären.

Der Kaiser – im „Fall Luther“ noch unentschieden – lud Luther darum im April 1521 zum Verhör vor den in Worms tagenden Reichstag.

Nach einer triumphalen Reise traf Luther am 16. April in Worms ein und erschien – gekleidet in seine Mönchskutte – am Tag darauf, dem 17. April, im überfüllten Bischofshof vor Kaiser und den versammelten Reichsständen.

Man stellte Luther zwei Fragen: Ob er die unter seinem Namen ausgegebenen Schriften als die seinen anerkenne und ob er etwas aus ihnen widerrufen wolle.

Luther war von dieser Art der Befragung überrascht, bejahte die erste Frage und bat sich für die Beantwortung der zweiten Frage Bedenkzeit aus.

Sein Auftreten an diesem Tag war für manchen der Anwesenden enttäuschend.

Ganz anders dagegen Luthers erneutes Auftreten vor Kaiser und Reichstag am folgenden 18. April. Mit sicherer Stimme verneinte er die Frage, ob er etwas von seinen Schriften widerrufen wolle, mit den überlieferten Worten:

„Wenn ich nicht durch das Zeugnis der Heiligen Schrift oder vernünftige Gründe überwunden werde – denn weder dem Papst, noch den Konzilien allein vermag ich zu glauben, da es feststeht, dass sie wiederholt geirrt und sich selbst widersprochen haben – so halte ich mich überwunden durch die Schriften, die ich angeführt habe, und mein Gewissen ist durch Gottes Worte gefangen. Und darum kann und will ich nichts widerrufen, weil gegen das Gewissen zu handeln weder sicher noch lauter ist. Gott helfe mir. Amen.“

Für die eingangs angeführten und viel zitierten Worte Luthers gibt es dagegen keine zeitgleichen Belege.

Auf dieses Bekenntnis hin verhängte Kaiser Karl V über Luther die Reichsacht („Wormser Edikt“). Danach war Luther nach Ablauf eines noch 21 Tage lang geltenden freien Geleits gefangen zu nehmen und dem Kaiser auszuliefern.

Luther verließ Worms am 26. April Richtung Wittenberg und wurde bei einem vorgetäuschten Überfall im Thüringer Wald auf Veranlassung seines Kurfürsten Friedrich des Weisen zu seinem Schutz auf die Wartburg verbracht.


Es grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Michael Lippky aus Bockau