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Lieder der ReformationLieder der ReformationReformationsjubiläum 2017

Unser Reformationsreigen geht natürlich auch in diesem Jahr weiter, zumal wir nun in den Höhepunkt der Reformationsdekade, das eigentliche 500. Reformationsjubiläum einsteigen.

Die Reformatoren transportierten ihre Botschaften wesentlich durch Lieder. Dabei bedienten sie sich bekannten Volksliedgutes ebenso, wie alter Kirchenlieder, die sie eindeutschten oder mit neuen Texten versahen. Allein im Evangelischen Gesangbuch(EG)  finden sich 32 Lieder, die in Text oder/und Melodie auf Luther zurückgehen.

Die Pfarrer des Eibenstocker Pfarrkonventes


Die Beiträge des vergangenen Jahres können Sie übrigens in unserem Archiv unter
Reformationskalender 2016  nachlesen.




Luther und die Musik

Martin Luther liebte die Musik und achtete sie ganz hoch. Er schreibt einmal:  „Ich gebe der Musik den ersten Platz nach der Theologie.“, „ … weil sie 1. ein Geschenk Gottes und nicht der Menschen ist, 2. weil sie die Seelen fröhlich macht, 3.weil sie den Teufel verjagt, 4. weil sie unschuldige Freude weckt.”, wie er an anderer Stelle begründet. Luthers  Wertschätzung der Musik zeigt auch das Lied „Die beste Zeit im Jahr ist mein.“ (EG 319) Es sind die Schlussverse einer „Vorrede auf alle guten Gesangbücher“, die Luther zu der von Johann Walter 1538 herausgegebenen Schrift „Lob und Preis der löblichen Kunst Musica“ geschrieben hat.

Das vierstrophige Lied ist ein Lobgesang auf das Singen und Klingen der Musik und geht im Verlauf der Strophen in ein Lob Gottes über. „Die beste Zeit im Jahr ist mein“, so spricht in Strophe eins die Musik höchst persönlich und meint damit zunächst die Zeit von Frühling und Sommer, wenn üblicherweise Himmel und Erde von Vögelein und deren Gesang voll sind. Wie Jesus in seiner Bergpredigt die Unbekümmertheit der Vögel unter dem Himmel für jene in den Blick rückt, die sich allzu große Sorgen um die Zukunft machen (Mt 6, 26), so sieht auch Luther die zwitschernden, singenden Vögel beispielhaft für ein Leben, das auf Gott vertraut und mit diesem sich im Einklang befindet. „Tut doch wie das Vögelein: Singt, seid fröhlich und lasst die Sorge; lernt glauben!“, sagt Luther in einer Predigt.

In Strophe zwei tritt die liebe Nachtigall auf, die für Luther besondere Sängerqualitäten hat: Ihr lieblicher Gesang macht alles fröhlich überall, und der Gesang macht dankbar. Weil das so ist, weil allgemein Lieder uns tief anrühren, stärken und ermutigen, uns trösten und drüber dankbar machen können, hat für Luther die Musik, das ist bei ihm vor allem der geistliche Gesang, diesen hohen Stellenwert neben der Theologie. In einer seiner Tischreden kann er sagen, dass auch die Musik das Evangelium verkündige.

In den Strophen drei und vier wird nun das Lob der Musik noch gesteigert, indem der liebe Herre Gott als Schöpfer der Musik gelobt wird. Der hier formulierte Gleichklang des Gotteslobes durch Tier (Nachtigall) (Str. 3 u. 4, 1f) und menschliche Stimme („Frau Musika“) (Str. 4, 3f) erinnert dabei an Paul Gerhardts späteres Sommerlied „Geh aus mein Herz und suche Freud“,
wenn es darin heißt „Ich selber kann und mag nicht ruhn, … wenn alles singt.“ Möge es doch so sein, dass wir Gott immer wieder in unseren Liedern und mit unserem Singen loben und ihm damit danken. Es ist keineswegs vertane Zeit, sondern – egal, ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – erfüllte,

„beste Zeit“.

Pfarrer Michael Lippky, Bockau

Luther mit Laute - so stellte man sich im 19. Jh. das Familienleben
bei Luthers vor. Gustav Adolf Spangenberg, 1866Luther mit Laute - so stellte man sich im 19. Jh. das Familienleben bei Luthers vor. Gustav Adolf Spangenberg, 1866