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Die Gebrüder Blarer 


Ambrosius (*1492) und Thomas (*1499)
 

Zwei Brüder finden sich in unserem Gesangbuch, der Namen heute den Gemeinden wohl wenig geläufig sind. Beide sind Kirchenliederdichter der Reformationszeit. 

Der Titel des Liedes „Wie's Gott gefallt, so gfallt's mir auch“ gibt unumwunden preis, dass sein Dichter dem Süddeutschen entstammt. Das Lied gilt als das älteste evangelische Kirchenlied. Es hat sich freilich nicht im Gesangbuch halten können. Stattdessen findet sich dort sein sprachgewaltiges Lied zum Pfingstfest (EG127)  

Komm, Feuer Gottes, Heilger Geist, erfüll die Herzen allermeist mit deiner Liebe Brennen. Von dir allein muß sein gelehrt, wer sich durch Buß zu Gott bekehrt; gib himmlisches Erkennen. Der fleischlich Mensch sich nicht versteht auf göttlich Ding und irregeht; in Wahrheit wollst uns leiten und uns erinnern aller Lehr, die uns gab Christus, unser Herr, daß wir sein Reich ausbreiten. (Vers 4) 

Der Autor stammt aus Konstanz und wird zunächst Benediktinermönch und Prior im Kloster Alpirsbach. Doch sein Glaube und Denken ist zu evanglisch, als dass er dauerhaft dort hätte bleiben können. Er verläßt das Kloster 1522, kehrt in seine Heimatstadt zurück, und setzt ab 1525, nun Prediger der Pfarrkirche St.Stephan, gemeinsam mit seinem Bruder Thomas die Reformation in Konstanz durch. 

Ambrosius BlarerAmbrosius BlarerIn den Folgejahren wirkt er auch als Reformator in der Oberschweiz und im Herzogtum Württemberg. Er kehrt schließlich nach Konstanz zurück, muß aber 1548 wegen der beginnenden Rekatholisierung durch die Spanier von dort fliehen. Er übernimmt eine Pfarrstelle im schweizerischen Biel und stirbt schließlich 1564 in Winterthur. Theologisch und auch durch reichlichen Briefkontakt ist er den Schweizer Reformatoren nahe. 

Sein Bruder Thomas hingegen, zunächst Jurist, wird ein Schüler Luthers. Ab 1520 finden wir ihn in Wittenberg im Umfeld des Reformators. Er begleitet Luther auch zum Reichstag nach Worms 1521.  

Seinem Bruder versucht er die neuen evangelischen Gedanken nahezubringen. Das gemeinsame Wirken in Konstanz ist wohl eine besondere Frucht ihres brüderlichen Geistes. Ebenso wie sein Bruder muß er nach langer Wirksamkeit aus Konstanz fliehen und findet im Thurgau Asyl. Von ihm haben wir das auch heute noch gerne gesungene Abendmahlslied : 

Du hast uns Leib und Seel gespeist; nun gib uns, so zu leben, daß unser Glaub und Lieb dich preist, die uns dein Gnad will geben; daß durch dein Treu die Sünd uns reu, für die dein Sohn vergossen sein teures Blut, das uns zugut den Himmel hat erschlossen. (EG 216) 

Pfr Jens Giese, Sosa