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Vom 18. bis 24. September Bibelwoche zum Matthäusevangelium: „Wir haben
seinen Stern gesehen“
Im Paul-Gerhardt-Haus

Beginn jeweils 19:30 Uhr

Lieder der ReformationLieder der ReformationReformationsjubiläum 2017

Unser Reformationsreigen geht natürlich auch in diesem Jahr weiter, zumal wir nun in den Höhepunkt der Reformationsdekade, das eigentliche 500. Reformationsjubiläum einsteigen.

Die Reformatoren transportierten ihre Botschaften wesentlich durch Lieder. Dabei bedienten sie sich bekannten Volksliedgutes ebenso, wie alter Kirchenlieder, die sie eindeutschten oder mit neuen Texten versahen. Allein im Evangelischen Gesangbuch(EG)  finden sich 32 Lieder, die in Text oder/und Melodie auf Luther zurückgehen.

Die Pfarrer des Eibenstocker Pfarrkonventes


Die Beiträge des vergangenen Jahres können Sie übrigens in unserem Archiv unter
Reformationskalender 2016  nachlesen.




"Und sie sind doch die Schönsten!"


Als bedrohliche und Furcht einflößende Ungeheuer treiben Tod und Teufel den Menschen (Adam) in die Hölle. Als bedrohliche und Furcht einflößende Ungeheuer treiben Tod und Teufel den Menschen (Adam) in die Hölle. Locker nehmen es – meiner Meinung nach – die Osterlieder mit denen des Weihnachtsfestes auf. Freilich, so traulich schön wie „Stille Nacht“ oder so kindlich naiv wie „Vom Himmel hoch“ ist keines. Sie sind oft  herb und manchmal schwierig zu singen. Aber in kaum einem anderen Lied findet sich ein so klares Bekenntnis zum Urgrund unseres Glaubens, in kaum einem anderen bricht sich die Freude (nicht die Fröhlichkeit!) so unumwunden Bahn, wie in den Osterliedern.
 

Nicht umsonst ist das Osterlied „Christ ist erstanden“ (EG 99) der wohl älteste liturgische Gesang in deutscher Sprache. Wehe der Kirchgemeinde, die es aus ihrem Ostergottesdienst verbannt! 

Und nicht umsonst dichtete Martin Luther für das erste evangelische Gesangbuch, das Erfurter Enchiridion, 1524 herausgegeben, 2 Osterlieder. 

Eines davon, „Christ lag in Todesbanden“ (EG 101), ist mein persönliches Oster-Lieblingslied. 

Es ist nicht einfach zu singen, zugegeben. Der Text scheint nicht recht zur Melodie zu passen, immer wieder kommen unbetonte Silben auf die schweren Takzeiten, in manchen Strophen muss man die Silben über drei Noten dehnen, um nicht aus den Takt zu kommen – ein Glück, dass die Herausgeber des Evangelischen Gesangbuches ein Einsehen hatten und nicht nur die Melodie auf beiden Seiten abgedruckt haben, sondern auch den Strophentext jeweils unter die Noten setzten. Wohl dem, der im Musikunterricht in der Schule aufgepasst hat und Noten lesen kann! 

Zugegeben, auch der Text erschließt sich nicht auf Anhieb. Die Liebe Gottes ist hier eben nicht wie „Gras und Ufer“. Sie kämpft sich durch den Tod zum Leben.  

Schauen Sie sich nur mal die 5. Strophe an und – ja bitte – den ursprünglichen, nicht den „geglätteten“ Text!  

 

  „Hie ist das rechte Osterlamm,  
Davon Gott hat geboten,  
Das ist an des Kreuzes Stamm  
In heißer Lieb gebroten.  
Das Blut zeichnet unser Tür,  
Das hält der Glaub dem Tod für,  
Der Würger kann uns nicht rühren. 

 Halleluja“ 

 Die beiden Ungeheuer liegen tot und völlig zerstört am Boden. Der Clou: Besiegt wurden sie von einem Lamm! Die beiden Ungeheuer liegen tot und völlig zerstört am Boden. Der Clou: Besiegt wurden sie von einem Lamm! Ja, es klingt befremdlich, dass das „Osterlamm … in heißer Liebe gebraten“ wurde. Aber jedem, der sich nur einigermaßen in der Bibel auskennt, kommt die Geschichte aus dem 2. Mosebuch in den Sinn: Das Blut des „Passahlamms“, wurde an die Türpfosten der israelitischen Häuser gestrichen. Und während die Familien in Aufbruchsstimmung das gebratene Lamm als letzte Mahlzeit in der Knechtschaft des Pharao verzehrte, ging draußen der Todesengel an den so gezeichneten Häusern vorüber. Eine nahezu atemlose Spannung liegt in den Zeilen des Liedes: Um Haaresbreite entgeht der Gläubige dem Tod, kann sich nun auf den Weg in die Freiheit machen. Nahezu trotzig marschiert die Melodie los, wenn der Glaube dem Tod das Blut Jesu Christi, des „rechten Osterlammes“, als Beweis dafür entgegen hält, dass der keine Macht mehr über ihn hat. 

„Der Tod ist verschlungen vom Sieg“, dichtet einige Jahrhunderte vorher der Apostel Paulus (1. Kor. 15,54).  

Auch Martin Luther lässt das Leben über den Tod triumphieren (Strophe 4): „Das Leben behielt den Sieg, es hat den Tod bezwungen.“ Und dann kommt das für mich faszinierendste Bild: „Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den andern fraß. Ein Spott aus dem Tod ist worden.“ Das ist doch hammerhart - einfach stark! Der Tod Jesu Christi, des Sohnes Gottes, hat den Tod, der unser Leben, der jedes Leben bedroht, einfach „aufgefressen“, ihm jegliche Macht genommen. Der Tod ist zum „Spott“, zur Witzfigur geworden! Christen, die im Glauben an diesen Jesus Christus leben, können ihm ein frohlachendes „Halleluja“ entgegenschmettern. Das tut dann auch Luther am Ende jeder Strophe seines Liedes. Was gibt es Schöneres, als dabei mit einzustimmen. Und, wenn Ihnen das Lied zu kompliziert ist, wenn Sie nicht mehr (oder noch nie) singen können. Dieses „Oster-Halleluja“ – das sollten Sie mitsingen. 

Pfarrer H.-Ch. Moosdorf, Schönheide

Zum Anhören:

BWV 4: Englische Version von "Christus lag in Todesbanden"

BWV 277: Choral, Hilliard Ensemble