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Von Bach zur Bohemian Rhapsody
Kaleidoskop der Kirchenmusik im August

Gleich zwei musikalische Highlights wurden im August in unserer Kirche geboten. Patrick Gläser ließ die Orgel rocken, einige Tage darauf wurde die Bach-Kantate „Also hat Gott die Welt geliebt“ (BWV 68) beeindruckend ins Gespräch gebracht. Beide Konzerte, die im Rahmen des Konzertkaleidoskops stattfanden, waren auf ihre Art ganz besondere Erlebnisse und könnten auf den ersten Blick musikalisch unterschiedlicher nicht sein. Oder doch nicht? Vielleicht haben moderne Rock- und Popmusik und die erhabene Kirchenmusik Bachs mehr gemeinsam, als es beim ersten Zuhören scheint. Patrick Gläser interpretiert bekannte Musikstücke, die auf einer einfache Melodie beruhen. Da es keine Orgelnoten für „Jump“ von Van Halen oder „Über sieben Brücken musst du geh’n“ von Karat gibt, spielt der Organist das Grundthema und schmückt es mit Verzierungen und den verschiedenen Registern der Orgel aus. Bach hat es genauso gemacht. Er komponierte ein Grundthema und erweiterte es mit allen Mitteln der Musikkunst, baute Wiederholungen und Stufendynamiken ein, bis es die gewünschte Klangfülle erreichte. Bach musste allerdings alles niederschreiben, um es in den verschiedenen Kirchen für den Chor und den Organisten wiederholbar zu machen. Gläser hat sicher eine Registrierung, also einen Plan, kann dazwischen aber auch improvisieren. 

Bach musste wöchentlich zu den Gottesdiensten neue Kantaten schreiben, bis zu 59 pro Jahr. Dabei griff er natürlich auch in die Trickkiste und nutzte bereits vorhandene Stücke, die er neu interpretierte oder mit anderen, passenden Texten versah. Moderne Komponisten und Musikproduzenten müssen ebenso „abliefern“ und es ist nicht verwunderlich, dass sich häufig Lieder dann vom Stil her ähnlich sind. Oft werden eingängige Akkordfolgen verwendet. Diese gab es aber auch schon zu Bachs Zeiten. Ein schönes Beispiel ist der Kanon D-Dur von Bachs Zeitgenossen Johann Pachelbel, dessen vier Akkorde die Grundlage von über 100 modernen Rock- und Popsongs bilden. Auch Bachs „Air“, „Toccata und Fuge“ und viele andere Stücke wurden bereits für moderne Musik oder für Werbung gecovert.   

Und noch eine Gemeinsamkeit: Bachs Musik und moderne Popmusik sind „Gebrauchsmusik“, also häufig gespielte Stücke für alle Gelegenheiten. Auch Vermischungen beider Formen sind heute modern. „Crossover“ aus Klassik und Pop sind sehr beliebt. Bach hätte das sicher auch gefallen, denn so wird die Musik dem breiten Publikum näher gebracht. Vielleicht wäre Bach in unserer Zeit auch Filmmusik-Komponist wie Howard Shore oder James Horner oder würde Musicals schreiben wie Andrew Lloyd Webber. Mit seinem Talent hätte er sicher keine leeren Taschen gehabt.    

Musik ist kein starres Gebilde, sondern entwickelt sich stetig weiter, wird verändert und neu interpretiert. Ob nun modern an der Orgel oder klassisch auf der E-Gitarre, Musik berührt und schafft Stimmungen in jeder dargebotenen Form. Beide Konzerte haben bei den Zuhörern einen bleibenden Eindruck hinterlassen.  
 
Im Herbst geht es weiter mit dem Konzert-Kaleidoskop. Die irische Band „Iontach“ spielt in unserer Kirche … vielleicht auch Bach, irisch interpretiert. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen!