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Vom 18. bis 24. September Bibelwoche zum Matthäusevangelium: „Wir haben
seinen Stern gesehen“
Im Paul-Gerhardt-Haus

Beginn jeweils 19:30 Uhr

Bild und Bibel September 2015

 























Ein Foto, mit moderner Technik bearbeitet, will Sie heute einladen. Ein schlichter Altar, ein Kreuz, eine Bibel, zwei lange Kerzen.

Der
Altar findet sich in einer kleinen Dorfkirche in Hessen. Wegen ihrer Form wird sie auch Kaffeemühlenkirche genannt. Kaum 100 Leute passen hinein. In ihr finden sich keine Sakralkunstwerke, und auch sonst keine Ausschmückungen. Deshalb bleiben die Augen beim Eintritt schnell am Altar hängen. Und was sich hier findet, das reicht einer suchenden Seele. Die Kerzen ragen auf, weisen himmelwärts. Die Bibel ist aufgeschlagen, bereit um gelesen zu werden. Das Kreuz ist ohne Körper. Jesus, der hier war, er ist nicht mehr am Kreuz. Es hat ihn nicht festhalten können.

Nur die Dornenkrone, mit der er verspottet wurde, und die dem, der es glauben, es sehen kann
, doch eine Ehrenkrone in allem Spott geworden ist – die Dornenkrone allein ist hängengeblieben. Dort, wohin ein paar Freunde der letzten Stunde Jesus nun getragen haben, da braucht er keine Krone. Als Symbol menschlicher Macht und Eitelkeit hat sie bei Jesus ausgedient. DieGeschichte des Mannes vom Kreuz, findet sich in der Bibel, die vor dem Kreuz aufgeschlagen liegt. Als Jesus aus dem Grab herauskommt und seinen Freunden begegnet, da ist er schlicht Jesus. Schmucklos ist er, wie die
Kaffeemühlenkirche in einem kleinen Dorf in Hessen. Nur die Jünger, denen er begegnet, und ihr Glaube, der ängstlich zweifeln und fragend, am Ende doch ins Staunen gerät über das Wunder des Lebens über den Tod hinaus – nur die Jünger dürfen ihm Schmuck sein. Bis heute sind es nicht die Bilder, die Figuren, die vergoldeten Ornamente, die eine Kirche als Haus Gottes schmücken. Noch heute sind es die Menschen, die in einer Kirche sitzen und schweigen und beten und singen und lachen und weinen – sie sind der Schmuck, der Gott gefällt. 

In dieser kleinen Kirche bin ich vor Jahren ordiniert worden. Fremde kommen hier nicht vorbei. Urlauber verirren sich nicht hier hinein. Doch wenn ich in der Gegend bin, dann besuche ich diese Kirche – und werde froh, weil ich in dem Kreuz, der Bibel, den Kerzen immer wieder Gottes Freundlichkeit finde. Gott sei Dank. 

Jens H.G.Giese, Pfarrer in Sosa