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Bild und Bibel Oktober 2015

800 „Lutherbotschafter“ - Installation von Ottmar Hörl, 2010
auf dem Wittenberger Marktplatz800 „Lutherbotschafter“ - Installation von Ottmar Hörl, 2010 auf dem Wittenberger Marktplatz












 

 

 

 

 

Mit diesem Zitat, das Martin Luther nach der Legende vor Kaiser und Reichsständen auf dem Wormser Reichstag gesagt haben soll, ist uns Luther nicht nur bekannt. Sondern es prägte auch die Art und Weise seiner Darstellung auf vielen Gemälden und Standbildern in unserem Land. Offenbar wurde Luther zu einem Vorbild an Standfestigkeit sogar angesichts von Nachteilen bis hin zu Inquisition, Reichsacht und Tod. In dieser Standfestigkeit tritt Luther uns immer wieder in den Blick und fragt uns: Bist Du einer, der sich zu Recht Lutheraner nennt? Weißt Du überhaupt, warum du Lutheraner bist? Ist dir klar, dass du damit herausgerufen bist zum Bekenntnis vor der Welt und durch Luther selbst verpflichtet, dafür auch Nachteile auf dich zu nehmen?

Ottmar Örl hat diese Darstellung aufs Korn genommen und 2010 den Wittenberger Markt mit 800 kleinen Lutherplastiken bevölkert. Plötzlich war Luther seinem Sockel geholt, seiner Einmaligkeit beraubt und auf Augenhöhe mit Kindern, die zwischen den Figuren spielten.  

Das gibt zu denken: Haben wir Luther auf einen Sockel verbannt und uns so seiner konkreten nachfrage entzogen? Oder ist er -wie so vieles in unserer Zeit zur Massenware verkommen? Jeder treibt sein Spiel mit ihm, will heißen: Jeder kann mit ihm machen, was er will, und muß sich seinen Inhalten eigentlich nicht weiter stellen?  

Natürlich ist es nicht recht, Luther als einen evangelischen Heiligen zu glorifizieren. Dazu hat er ja auch z.B. in der Judenfrage z.B. manches gesagt, dem wir klar widersprechen müssen. Aber wer sich wirklich mit Luther auseinander setzt, der entdeckt: Es ist mehr als eine schöne Tradition, dass unsere Kirche sich nach Luther nennt. Es ist eine Herausforderung, sich der Wirklichkeit zu stellen, die Frohe Botschaft ganz neu in unsere Zeit hinein zu sagen, Widerspruch an den Stellen zu wagen, wo das nötig ist und auch da, wo das mit Nachteilen verbunden sein kann. Wir müssen unser Leben nicht riskieren, um einzutreten für das Evangelium, wie es für Luther Maßstab seines Redens und Handelns war. Laßt uns das Reformationsfest zum Anlaß nehmen, wie Luther klar zu unseren Überzeugungen zu stehen und sie tapfer gegen jeden Gegenwind, der sich in unserer Gesellschaft erhebt, zu vertreten.

Ihr Pfr.Michael Poppitz