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Bild und Bibel November 2015

Carl Spitzweg (1808-1885): „Der Maler“ Carl Spitzweg (1808-1885): „Der Maler“

 

„Neben der edlen Kunst, Dinge zu verrichten, gibt es die edle Kunst, Dinge unverrichtet zu lassen.“ – So lautet eine alte chinesische Lebensweisheit.

Unser Titelbild zeigt einen Maler, der letztere Kunst offenbar gerade praktiziert: Seine Pinsel, Palette, Farben und Staffelei sind im rechten Vordergrund zwar aufgebaut. Doch der Künstler döst vor sich hin, er schlummert sanft unter seinem Sonnenschirm, umschwirrt von einigen Schmetterlingen.

Schmetterlinge, Sonnenschirm und vor allem der Müßiggänger selbst sind ausgeleuchtet vom warmen Tageslicht. Die Lichtverhältnisse – so sollte man meinen – erscheinen hier ideal, sie „schreien“ geradezu danach, zum Pinsel zu greifen und das lichtverklärte Naturidyll mit leuchtenden Farben auf die Leinwand zu bannen! Wann, wenn nicht jetzt, ist die Gelegenheit!

Allein der Künstler läßt Zeit und Gelegenheit verstreichen, als sei er ein „Sommerfrischler“. Wenn er nun gar kein richtiger Malkünstler ist? Dieser Verdacht ist nicht abwegig! Wenn nicht Maler, dann aber ist er zumindest ein Lebenskünstler, der sich jetzt gerade der anspruchsvollen Kunst des Nichts-Tuns hingibt, jener Kunst also, über die Oscar Wilde geäußert hat: „Gar nichts tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.“

Das Ausruhen von der alltäglichen Betriebsamkeit wird uns im biblischen Gebot der Feiertagsheiligung – schon im eigenen Interesse – eindringlich ans Herz gelegt. Es geht hier nämlich um ein heilsames Gegengewicht zur Alltagshektik, das wir nötig haben, um nicht Schaden zu nehmen an Leib uns Seele. So mahnte schon der Theologe Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher: „Merke auf den Sabbat deines Herzens, daß du ihn feierst, und wenn sie dich halten, so mache dich frei oder gehe zugrunde.“

Carl Spitzweg ist der Schöpfer dieses Bildes, welchem er den Titel „Der Maler“ gegeben hat. Der Münchner Künstler lebte von 1808 bis 1885. Er war Autodidakt, das heißt: Er hat keine Kunsthochschule besucht, sondern sich die Malerei selbst angeeignet, was man seinen Bildern nicht ansieht.

In seinen zahlreichen Motiven lebt die Epoche des deutschen Biedermeier auf. Allerdings enthalten viele seiner vermeintlichen Idyllen versteckte, hintersinnige Sozialkritik, man denke nur an seinen „Einsamen Poeten“, sein wohl bekanntestes Bild.

Mit diesen Betrachtungen grüßt Sie ganz herzlich – Pfarrer Christof Schumann.