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Bild und Bibel Juni 2015

  Pieter Breughel d.Ä.: Die Predigt Johannes des Täufers, Budapest, Museum der bildenden Künste. Pieter Breughel d.Ä.: Die Predigt Johannes des Täufers, Budapest, Museum der bildenden Künste.

 



















Hilfe, ein „Wimmelbild“!

Über hundert Menschen sind ohne weiteres zu erkennen – mag ich eigentlich nicht. Da geht doch der Einzelne in der Masse unter! Einer von Vielen zu sein – nicht sonderlich erstrebenswert! Und der Betrachter „verläuft sich“ unter den bunten Eindrücken.

Doch das Bild, das ich Ihnen heute zeige, hat mich sofort angesprochen, als ich es das erste Mal sah.

Von Pieter Breughel, für seine personalintensiven Gemälde bekannt, stammt es. Die Predigt Johannes des Täufers soll es darstellen. Nach der biblischen Erzählung, war das jemand, der kein Blatt vor dem Mund nahm. Für seine Predigten ist der Begriff „Publikumsbeschimpfung“ noch recht milde. Oder was würden Sie sagen, würde Ihr Pfarrer Sie am Sonntag mit „Schlangenbrut“ und „Otterngezücht“ betiteln? Dabei will Johannes etwas verändern oder besser: Er will, dass die Menschen sich ändern, dass sie „umkehren“, in ihrem gewohnten Trab anhalten und umdenken und dass dann Resultate zu sehen sind, „es gute Früchte bringt“. Eine bequeme Botschaft klingt anders! Da gibt sich jemand richtig Mühe, da greift einer heiße Eisen an - eine glasklare Verkündigung. Und – ändert sich was?

Zumindest sind viele gekommen: Da muss man dabei gewesen sein, den muss man gehört haben! Es ist ganz schön was los beim Prediger Johannes! Der eine oder andere klettert sogar auf einen Baum, um alles mit zu bekommen. Aber - noch mal - ändert sich was?

Breughel malt Johannes in den Hintergrund. Vorn sitzt eine Gruppe exotisch wirkender Besucher. Und die machen ihr Ding. Vielleicht sind sie gerade dabei, Geschäfte abzuschließen, vielleicht reden Sie über den neuesten Tratsch in Jericho. (Vielleicht bekämpfen sie auch – wie die Konfirmanden im Gottesdienst auf der 2. Empore – virtuelle Feinde auf ihrem iPhone.) Lebensänderung, Umkehr? – nicht daran zu denken! Und wenn es um Früchte des Lebens geht, denken die Meisten an ihr Konto und das, was sie sich davon leisten können.

So viel anders ist es heut wohl auch nicht. Und manchmal komm ich mir als Pfarrer vor, wie damals Johannes: Ein Rufer am Rande, man hört ihm ganz gern zu, sieht ihm einiges nach - und – geht wieder heim. Jesus ist unter den Zuhörern. Unscheinbar steht er dabei, auch er am Rande. Die Arme verschränkt, steht er da, nachdenklich und – wir mir scheint – skeptisch. Er wird später die Predigt des Johannes fortführen, wird sie zuspitzen, auf den Punkt bringen. „Wie stehst du zu mir?“, fragt er jeden einzelnen – Keine Chance, in der Masse zu verschwinden, in dem Alltag der Geschäftigkeit abzutauchen. Beim Prediger Johannes (und beim Pfarrer Moosdorf) mag das noch gehen – bei Jesus geht es nicht!

Also, wie steht’s bei Ihnen?

Pfr. Hans-Christian Moosdorf, Schönheide