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Bild und Bibel Juli 2015

Turmbau zu Babel, Pieter Breughel d.Ä. Turmbau zu Babel, Pieter Breughel d.Ä.

 

Sicher eines der bekanntesten Bilder von Pieter Bruegeld.Ä. ist der Turmbau zu Babel. Bruegel hat mehrere Versionen dieser biblischen Geschichte gemalt. Zwei davon sind uns erhalten.

Bruegel zeichnet den Turmbau hinein in seine Zeit und in sein Land. Wir sehen im Hintergrund Antwerpen. Schon das Größen-Verhältnis von Stadt und Menschen zum Turm macht bewusst: Der Turm ist ein Bauwerk, das alles bis dahin Dagewesene überragt. 

Etwas erschaffen, mit dem wir uns einen Namen machen, etwas, das bis an den Himmel reicht. Wie töricht erscheint dem Betrachter die Absicht der damaligen Menschen, mittels ihrer so einfachen Werkzeuge dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wir dagegen, wir heute vermögen da viel mehr,  Besseres und Größeres. Das derzeit höchste Gebäude steht in Dubai und mißt 830 m. An solchen Bauwerken mag man die Leistungsfähigkeit des Menschen ablesen können. Doch seine sogenannten Leistungen auf anderen Gebieten sind viel beängstigender und sie kommen der Absicht der babylonischen Turmbauer auch näher, sich einen Namen zu machen: Saatgut, auf das Firmen Patente haben, Massendatenspeicherung, die keine Grenzen kennt, Waffenprojekte, die dem normalen Menschen wie Science-Fictionanmuten. Und immer geht es um Machbarkeiten, um Macht, um dieses „sich einen Namen Machen. 

Wenn wir das Bild betrachten, fällt auf, dass sich der Turm,obwohl noch an ihm gebaut wird, schon neigt. Der Keim der Katastrophe wird bereits beim Bau sichtbar. Der Turm neigt sich in Richtung Stadt. Er droht, die Menschen unter sich zu begraben. Das, was sieerreichten wollen, wird ihnen zum Verhängnis. Die Frage nach der Machbarkeit hat ethische Fragen hintenangestellt. Die Frage nach Sinn wird bei der Jagd nach dem Größten und Besten nicht gestellt. Erst langsam kehrt die Einsicht ein, dass wir unsere Welt auf der Jagd nach ihrer Beherrschbarkeit womöglich längst auf einen Weg gebracht haben, auf dem es kein Zurück mehr gibt. Klimaerwärmung, Verseuchung der Weltmeere, Vernichtung der Artenvielfalt, Zunahme extremer Wetterkapriolen sind erste Anzeichen für das Kippen des Turmes, den wir mit unserem Fortschrittsglauben errichten möchten. Wohin soll das alles führen? 

Der Psalmist fragt: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Herz, dass du dich seiner annimmst?“ Voller Demut bekennt er sich zu seiner Kleinheit angesichts der Größe des Allmächtigen, der die Welt, das Universum erschaffen hat. Demut- sie steht dem Menschen gut zu Gesicht und sie könnte es womöglich schaffen, uns zur Umkehr zu bewegen. Nicht, dass wir es in der Hand hätten, diese Welt zu retten. Das liegt in einer ganz anderen. Aber im Bewußtsein leben, dass da einer ist, der größer ist als alles, was wir zu denken und zu machen inder Lage sind, das könnte uns womöglich helfen, zu uns selbst zu finden. Zu uns selbst zu finden, heißt, menschlicher zu werden, zu erkennen, was Einstein einst bekannte: Ich bin Leben, daslebenwill,inmittenvonLeben, daslebenwill.Ich bin nicht das Maß aller Dinge, sondern ein Teil des großen Ganzen. Und da, wo ich diesem großen Ganzen diene, da finde ich zu mir selbst und vielleicht auch zur Ehrfurcht vor Gott. 

Ihr Pfarrer Michael Poppitz, Stützengrün