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Bild und Bibel Februar 2015

Heilige Dreieinigkeit, Ikone von Andrej RublievHeilige Dreieinigkeit, Ikone von Andrej Rubliev

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 7. Januar dieses Jahres stürmten zwei bewaffnete Männer in die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und erschossen 12 Menschen. Schnell war klar, dass beide Attentäter aus dem islamistischen Milieu stammten. Anlass der Morde waren Karikaturen der Satirezeitschrift über den Islam und den Propheten Mohammed.

Nun könnte man leicht in das Horn der Pegida stoßen: „Seht, so ist der Islam: blutrünstig, grausam, rückständig“. Doch bedenken wir: Auch im Namen des Christentums sind immer wieder grausame Taten verübt worden. Aber so wenig die Kreuzzüge, Inquisition, Ablass usw. das Wesen des Christentums beschreiben, genauso wenig wird das wahre Gesicht des Islam in diesem Attentat in Paris erkennbar.

Es ließe sich im Nachgang nun über die religiösen Gefühle von Gläubigen diskutieren und über die Grenze von Satire. Darf und muss alles ins Lächerliche gezogen werden? Sicher nicht, doch es gibt nun einmal in jeder Religion Dinge, die zum Lachen sind. Da macht das Christentum keine Ausnahme. Deshalb gibt es viele satirische Beiträge zum Christentum und eine Fülle an Karikaturen.

Etwas wie eine Karikatur - so sehe ich es -  ist das Bild hier, eine Ikone von Andrej Rubliev aus dem 14. Jahrhundert. Es zeigt die Heilige Dreieinigkeit: Gott Vater, Gott Sohn und Gott der Heilige Geist. Wir glauben an einen Gott, der uns in diesen drei Personen gegenübertritt. Rubliev stellt deshalb den einen Gott durch drei Männer dar, die an einem Tisch sitzen. Doch diese drei Männer strahlen eine so große Harmonie aus, dass keine von dreien fehlen dürfte. Sie gehören untrennbar zusammen. So sind die Blicke der drei Männer auf den jeweils anderen gerichtet. Genauso weisen die Armhaltungen immer wieder aufeinander.

Gott ist einer, und offenbart sich uns als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Doch was hier Rubliev in der Ikone fast selbstverständlich festhielt, darüber hatte die Kirche – nicht nur die Theologen, sondern auch das Kirchenvolk – fast 100 Jahre heftig gestritten. Denn bei der Frage, wer Gott ist und wie er sich uns zeigt, prallten in der Alten Kirche ganz gegensätzliche Meinungen aufeinander. Ganze drei Konzile brauchte es, um mit der Trinitätslehre eine einheitliche Antwort zu finden. Jedoch - genau betrachtet - lässt die Trinitätslehre die Frage, wer Gott ist, mit einem Augenzwinkern offen! Gott ist einer und doch drei? Das lässt sich logisch nicht verstehen!

Dies fängt Rubliev auch in der Ikone ein: Drei Männer an einem Tisch, die Gott sind, das lässt sich nicht begreifen. Das lässt sich nur glauben. Gott kann ich nicht verstehen! Wer sich doch daran macht, Gott in seinem Wesen begreifen zu wollen, der presst Gott in seine eigenen Gedanken, der macht Gott klein. Am Ende erhält er ein Zerrbild eines „Gottes“, der mit dem allmächtigen Gott nichts mehr zu tun hat.

Die Trinitätslehre und die Rubliev-Ikone spiegeln uns, wie wenig unser Geist im Stande ist, Gott zu fassen. Deshalb sind alle noch so ernsten Aussagen über Gott immer auch mit einem Augenzwinkern zu sagen und zu hören, denn Gott ist größer als es unsere begrenzten Worte und Bilder je ausdrücken können. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass Menschen mit einem tiefen Glauben auch einen ausgeprägten Sinn für Humor haben.

Fanatische Menschen dagegen verstehen keinen Spaß. Schon gar nicht können sie über sich selbst lachen. Solche Menschen sind todernst – im wahrsten Sinne des Wortes. Einem gesunden Glauben steht dagegen der Humor – auch das Lachen über sich selbst – gut zu Gesicht.       

                                                                                                         Pfr. Matthias Lehmann, Eibenstock