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Bild und Bibel Dezember 2015

Paul Hey (1867-1952): „Der Stern von Bethlehem“Paul Hey (1867-1952): „Der Stern von Bethlehem“

 

 

 

 

 










„Wir alle schreiten durch die Gasse, aber nur wenige blicken zu den Sternen auf.“
– so Oskar Wilde. Während die Mehrzahl der Zeitgenossen demnach völlig in Beschlag genommen ist von den vordergründigen Freuden, Sorgen und Pflichten des Alltages, haben nur wenige einen Blick für die Wahrheit, die sich hinter dem Augenscheinlichen verbirgt: Sinn für das Bleibende, Suche nach dem Ewigen, Sehnsucht nach Gott.

Unser Titelbild „Der Stern von Bethlehem“ von dem Münchner Künstler Paul Hey (1867-1952) zeigt die Weisen aus dem Morgenland (vgl. Mt 2). Als Gottessucher ziehen sie ihres Weges durch die Dunkelheit nach Bethlehem.

Die Sterne am nächtlichen Himmel und die leuchtenden Laternen (die man selbst nicht sieht, sondern nur deren Widerschein) bilden die einzigen Lichtquellen, die die Finsternis durchbrechen. Der Stern von Bethlehem – an seinem Lichtschweif erkennbar – weist den Sternkundigen das Ziel. So sind sie unterwegs in nächtlicher Finsternis, in winterlicher Kälte. Als eine orientalische Karawane „stapfen“ sie statt durch eine Wüste über das schneebedeckte Feld. Ein merkwürdiger Kontrast!

Die weitgehend nur schemenhaft erkennbare Gruppe der dahinziehenden Pilger, jeder von ihnen stumm und in sich gekehrt, das hellere Schneefeld, welches das Licht der Laternen reflektiert, und über allem der gestirnte Nachthimmel: Dies zusammen verleiht dem Bild eine eigentümliche Stimmung: Als ob eine Ahnung, eine Hoffnung, ein unaussprechliches Geheimnis die Fremden erfüllt, sie antreibt, sie zu einer verschwiegenen  Bruderschaft verbindet. So ziehen sie ihren Weg durch das Dunkel dem Licht entgegen, andächtig,  gesammelt und schon jetzt erfüllt von dem Ziel ihres Suchens, ihrer Gottessuche. „Du hast uns, Herr, zu Dir hin geschaffen, und unser Herz ist unstet und unruhig, bis daß es Ruhe findet, Gott, in Dir.“ – Diese Gebetsworte des Hl. Augustinus mögen einem hier in den Sinn kommen: das Leben als eine Pilgerschaft zu Gott. Die Weisen erscheinen auf diesem Bild als solche Gottessucher.

Der Künstler Paul Hey war anfangs vom Jugendstil geprägt, hat sich später davon gelöst, um in freierer, naturalistischerer Manier seine Motive zu gestalten. In seinen zahlreichen Aquarellen erreicht er eine verblüffende Farb- und Lichtwirkung, die eher an Ölbilder denken läßt!

Mit diesen Betrachtungen grüßt Sie recht herzlich – Pfarrer Christof Schumann.