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Hl. Franziskus, LinolschnittHl. Franziskus, Linolschnitt

Franziskus

Lieber Leser, den Linolschnitt habe ich aus meiner Bildersammlung. Es muss Jahrzehnte her sein, das ich den Druck auf einem Kalender gefunden habe. Leider ist auch der Name des Künstlers nicht mehr leserlich. Das Bild fasziniert mich, denn es bringt eine Freude und Leichtigkeit herüber, die ich mir selber wünsche.

In einer Mönchskutte steckt ein eher ärmlich aussehender älterer Mann von hagerer Gestalt, barfuß, das Gesicht zerfurcht und von Bartstoppeln bedeckt. Ein musizierender Mönch inmitten der freien Natur. Er hat sich niedergelassen auf einem Stein. Eindrücklich seine Hände mit denen er musiziert. Hingebungsvoll, versunken, ganz bei sich selbst macht er seine Musik.

Eigentlich ist es gar kein richtiges Instrument, das er spielt. Zwei Stöcke sind es. Die Laute lehnt hinter ihm am Stein. Eingetaucht in seine Musik, sehe ich den Ordensmann vor mir; wie ein Kind, das zum Musizieren in seiner Phantasie nicht mehr braucht, als eben zwei Stöcke.

Die Sonne im Rücken, der Fels, auf dem er sich niedergelassen hat, die bloßen Füße im Gras , eine Blume vor ihm bilden die Kulisse. 


„Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.“


Diese Bibelstelle aus Psalm 73 Vers 28 kann ich gerade noch auf dem schon etwas beschädigten Kalenderblatt erkennen.

Franz von Assisi hatte ein besonderes Verhältnis zur Natur und all ihren Geschöpfen. Jedes Geschöpf, alles Geschaffene, war ihm ein Echo des Schöpfers und regte ihn an zum Gotteslob.

Sonne und Mond, das Wasser, die Tiere, die Pflanzen, selbst die Steine gaben Franziskus Zeugnis von der Größe und Güte des himmlischen Vaters.

Der Ordensmann, den ich auf dem Linolschnitt vor mir sehe, braucht keine Zuhörer. Er spielt für sich zur Ehre des Schöpfers. Die Musik kommt ihm aus dem Herzen. Er braucht weder Reichtümer, noch Statussymbole um glücklich zu sein.

 In seiner von Streben nach Reichtum und Macht geprägten Zeit im Italien des Mittelalters entdeckt Franziskus Jesus neu, von dem die Evangelien berichten: arm und doch unendlich reich, heimatlos und doch geborgen in einem grenzenlosen Vertrauen zu seinem himmlischen Vater.

 

 Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Psalm 73,25

Ich wünsche mir und Ihnen, lieber Leser, etwas von dieser Leichtigkeit des Lebens, die aus einem tiefen Vertrauen zu Gott kommt. Ich möchte mit Franziskus die Spuren der Liebe und Güte Gottes inmitten der Schöpfung entdecken. Ich möchte mit dem Herzen lesen können, was die majestätischen Berge predigen. Ich möchte dem Lied der Wellen am einsamen Strand lauschen und dann auch selbst mit einstimmen in das tausendfache Gotteslob der Schöpfung.  


Im Glauben verbunden grüßt Sie
Pfarrer Volkmar Becher